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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : [asphalt] une semaine en maroc


sulka
26.02.2012, 01:28
eigentlich sollte ja alles ganz anders werden ...
aber als der bus an sämtlichen mainzer abfahrten vorbei war und ich den fahrradkarton im fond des wagens wahrnahm wurde mir auf einen schlag klar: mainz bliebt mainz wieder mal ohne mein zutun. auf den höhen des hunsrücks zeichnete sich mein weiterer schicksalsweg ab: sie hatten mich wieder einmal in ein träninxlager verbannt.
nach marrakech mußte ich den kartong mit dem alubock schleppen. dort, unversehens, erwartete man mich bereits um mich wieder nach agadir unter die fittiche der unerbittlichen schwiegermama zu setzen.
setzen, ja das wäre schön gewesen. natürlich wieder ohne mechaniker von diesem dreckxteam nach afrika verschifft / verflogen, mußte ich das rad selbst wieder zusammenpuzzeln. damit ich auch nicht wirklich kneifen konnte waren ersatzpneus, schläuche und ein basis-sortiment für den avancierenden schrauberfahrer (leerjahre sind keine herrenjahre) mit verpackt.
nun denn.
bei mäßigen 20 grad an der ozeankante konnte ich mich am ersten vormittag auf eine strandpromenaden- und orientierungsrunde verdrücken. die ersten sardinen waren kaum verdrückt ging es aber auf leistungsmeßfahrt, ein bischen den hausberg visistieren. ist man also 2 km von der küste weg und ein paar höhenmeter hochgeklettert steigt das thermometer jäh auf an die 36°C an. schaun mer mal wo wir stehen ... ähemm liegen..... am liebsten unterm näxten arghanibaum, wären da nicht diese elendigen dornen.
es hilft kein schütteln und kein drücken, die birne leuchtet rot sicher schon von fernem. da dreht der vadda um und läßt den wackelpudding im fahrtwind kühlen.
schöne scheiße also ... es bedarf noch etwas der übung.

tag zwo beginnt mit einem atmungstest südwärts entlang der 4-spurigen N8 und stadtfahrkontest durch die hauptstraße von inezgane. weiter des weges, wieder entlang der N8 strebe ich gen sidi bibi. den ventilator könnte man drei stufen kleiner stellen. immerhin wird der südwind seines namen gerecht, die celsiusanzeige schwankt um die 30.
zeit erstmal einen schatten anzusteuern um sich des geschehens bewußt zu werden.

http://fstatic1.rennrad-news.de/f/e1/4l/e14la0omyis4/large_CP120218-2253.jpg?0 (http://fotos.rennrad-news.de/p/242094)

auch ein entgeistertes selbstbildnis wird erstellt.

http://fstatic1.rennrad-news.de/f/jg/fk/jgfk5ar0f7ij/large_CP120218-2257.jpg?0 (http://fotos.rennrad-news.de/p/242095)

sowhat, irgendwo muß es weg von diesem highway gehen. das ist dann auch nach der durchquerung von sidi bibi der fall. locker leicht die die hüglechen über die dünen hoch, der südwind ist mittlerweile ein westwind, dem océan atlantique entgegen.

http://fstatic1.rennrad-news.de/f/ws/y1/wsy11mft2k41/large_CP120218-2259.jpg?0 (http://fotos.rennrad-news.de/p/242096)

abgesehen vom unentwegten knattern auf den ohren ist es extrem lauschig im nationalpark souss massa und nach einem gutem stück geschicktem drückens kommt die einstweilige erlösung in sicht.

http://fstatic1.rennrad-news.de/f/m0/9r/m09rfblwol9e/large_CP120218-2261.jpg?0 (http://fotos.rennrad-news.de/p/242097)

noch geschickt die sandverwehungen umsteuern, anderfalls verhelfen die 25er gummis rasch zu feinen tatoos auf der pelle, und dann wird die chaise erstmal photogen geparkt und die stullen heraus geholt.

http://fstatic1.rennrad-news.de/f/kq/xw/kqxw3m2787cd/large_CP120218-2262.jpg?0 (http://fotos.rennrad-news.de/p/242098)

ja doch, durchaus erträglich. ein nettes stücklein erde, vielleicht abwarten was der herr mit der angel aus dem bassin fischen wird ...

http://fstatic1.rennrad-news.de/f/il/00/il00c0cwxlij/large_CP120218-2264.jpg?0 (http://fotos.rennrad-news.de/p/242099)

abba nix da, gegessen wird zuhause, und überhaupt steht sport (er ist gesund und macht uns hoart) auf dem plan.
also den sandigen buckel wieder rauf, es führt kein andrer weg nach sidi bibi, oder doch ?

http://fstatic1.rennrad-news.de/f/q5/oi/q5oijtmwoq68/large_CP120218-2266.jpg?0 (http://fotos.rennrad-news.de/p/242100)

ich hatte es bereits schon mal erwähnt ein gegenstreben widerfährt mir einen weg hin und auch wieder zurück zu fahren. und ja, ich erinnere mich. auf der karte, welche ich natürlich nicht dabei habe, war dieser weg paralell zur küste eingezeichnet und es sollte auch irgendwo wieder eine straße landeinwärts kommen. (merke: wo sand ist kommt irgendwann auch wieder asphalt).
frohgemut also die l'eroica-taugliche piste gen süden anpedaliert, irgendwann stellt sich ein gewisses geschick im umfahren von sanduntiefen ein, und auch die steine lassen sich crossgeübt umfahren, die rädlein wechselnd über das gröbste entlasten. es schult den ganzen körper.
ein jähes ende ohne asphalt erreicht das lustige treiben vor einem dicken holztor mit angeschlossener wärterbude. ich halte die fuhre punktgenau an und als ich so an die zwei minuten in aller stille nach einer umgehung des tores trachte klingen doch geräusche aus der wärterbude... da war doch was !
der heraustretenden, sichtlich erstaunte, junge mann ringt anbetrachts meiner sichtlich um worte, ich helfe und grüße mit einem freundlichen "salam". allmählich kommt man dann doch ins gespräch. nein nein, da durch lassen könne er mich nicht, ich müßte zurück. zurück ?! gibt es nicht ? doch gibt es. da vorne nach rechts, da gehts nach *ichkonnteesmirnichtmerkengeschweigedennaussprechen* und dann auf die straße nach sidi bibi.
ja. den weg hatte ich gesehen. etwas gröber aber inshallah ...
es ging. dann kam die teststrecke für den vectran-breaker, vielleicht auch für den blackchillycompound, mal sehen wie lange die contis auf der bruchsteinhalde überleben würden. sie überlebten und ich überlebte auch das absacken der gummis in den tiefen sand.
wohlgemut das rädlein geschultert passiere ich entlang des zaunes eine plantage aus der mir leute freundlich zuwinken. welch eine abwechslung in der schönen mittagshitze eine rothaut in ihrem bunten kostümchen und der lustigen plastikkappe sein fahrrad durch den sand tragen zu sehen. (le sport - c'est bon!)
die zuvor erwähnte regel schickte sich zu bewahrheiten an: nach sand kommt schotter, nach schotter piste und nach der piste asphalt.
ich erreiche einen ort von der seite von der sonst nur kamele oder esel ihn betreten. vermutlich gehöre ich ja im weiteren sinn zu einer dieser gattungen ?
das anfänglich wortlose erstaunen der leute in der gasse, ob meines aufkreuzens aus der falschen richtung, wandelt sich mit zunehmender fahrtaufnahme in ein "schufi schufi" (schau schau !) rufen und schließlich in ein anspornendes allez ! allez ! des grüppchens vor dem örtlichen gemischtwarenhändler auf der ecke.
schließlich bin ich wieder auf der N8 und beschließe meine runde im lebhaften abendverkehr auf der 4-spurigen umgehung. das hört sich schlimm an, aber sieht man mal von den schwarzen dieselrußwolken und dem steten leichten sandknirschen zwischen den zähnen ab ist es letztlich eine lustige sache. der kenner hebt sich für diese kilometer stets ein paar körnchen auf. damit gelingen dann auch die ampel- und kreiselsprints, abschnittsweise gibt es dann mal einen linienbus dem man sich in den windschatten werfen kann ehe er wieder abrupt vor einem zwecks fahrgastwexel staubend ins bankett jagd.
nein, ich meine es ernst. das macht tatsächlich spaß, zumal wenn man von vollbesetzten dolmuschtaxen angehupt wird und von dessen insassen angefeuert wird. da muß man einfach bella figura abgeben, die nach oben gestreckten daumen aus den fenstern der gemüselaster belohnen es ;-)
und zuhause wartet eine heiße kanne minztee und ein frisches smenn (fladenbrot) mit feinranziger butter und honig. damit spült man mit pulsenden dicken waden alles runter.
so auch nach dieser zwoten runde mit ihren abwexlungsreichen 86 kilometern.

http://www.bikemap.net/route/1428433

to be continued,
klaus

arno¹
26.02.2012, 09:20
klasse bericht klaus - köstlich!

wunderschöne foddos. man bekommt fernweh ...

hep
26.02.2012, 12:09
Woher zur Hölle nimmst Du die Energie für das alles? Warst Du nicht gerade noch im Karnevalsrausch? Mensch, genieß! Berichte schreiben kannste anschließend. Obwohl ... DANKE!

sulka
26.02.2012, 13:21
neenee. der rausch ist leider schon wieder vorrüber. ich sitze schon wieder am heimischen herd. karneval hat nicht stattgefunden, wenigstens nicht im regional landesüblichen sinne. eigentlich wie immer bei mir ;-) (wobei ich vor jahrzehnten einmal nen photojob in kölle hatte einhergehend mit nem dreitagerausch - wenn schon denn schon, once a lifetime ;-)
hin und wieder bin ich ne auslaufrunde über die strandpromenade gerollt um zu sehen welche fleischmassen europa an die küste spült. richtig nahe bin ich dem europäer erst wieder gestern früh auf dem flughafen gekommen, da war mir dann übel genug. ich hasse urlauber.
meine bevorzugten lokale während der ausflüge waren die kleinen küchen mit drei tischen und zehn ausgetrockneten plastikstühlen wo man oftmals kein französisch, manchmal sogar nicht mal arabisch sondern nur berber spricht. für 20 dirham (2 euro) ein warmes essen und ne kanne nanatee, neben an 1 1/2 liter bahia (tafelwasser) für 3dh50 (35 cent) für die trinkflaschen.
nicht weil das alles billig ist, sondern weil ich die menschen und ihre art & weise mag. ich bin also schon maghreb-afin. nicht gerade die mittelmeerküste dort, das ist ein andrer menschschlag, eher arabisch und etwas penetranter. im süden leben überwiegend berber und die haben eine deutlich ruhigere und angenehmere art. gastfreundlich und positiv. dito die beduinen die jetzt im winter öfters mit ihren kamelherden am atlantik anzutreffen sind.
das ist schon traumhaft wenn du (wie oben z.b. gezeigt) mutterseelen alleine und in aller ruhe mit dir und der eindrucksvollen natur über die piste fährst und irgendwann ein mann mit seinem kamel oder seinem esel deinen weg kreuzt, man sich freundlich die offene rechte hand zeigt (ich habe kein messer) und dann im lauen wind einjeder seines weges geht. dito die kapuzenmänner in der sirrenden mittagshitze in den bergen die íhre schafen und ziegen (letztere gerne hoch oben in den arghanibäumen) hüten, wenn sie dich mit ihren verbleibenen weißen zähnen aus ihrem über jahrzehnte gegerbten gesichtern anlächeln und grüßen. gerade eben der süden wird abseits der großen straßen schnell, sehr karg und doch reich, ganz ursprünglich, archaisch, daß du manchmal glaubst dein blech und carbon hobel sei in eine zeitmaschine verwandelt die du mit deinen beinen antreibst.

gruß
klaus

Elmar
26.02.2012, 15:48
heul

sulka
26.02.2012, 19:17
heul

alles wird gut, mein lieber.

tag 3 beginne ich mit dem abschluß vom vortag:
die sogenannte oder auch teutonische tricolore genannte schnellmutation durch lichteinfluß.

http://fstatic1.rennrad-news.de/f/li/1f/li1fvzral30v/large_CP120218-2267.jpg?0 (http://fotos.rennrad-news.de/p/242101)

von oben nach unten: grundierung - restlack - neulack

heute steht sozusagen meine hausrunde auf dem programm: die oued souss runde.
am späten vormittag arbeite ich mich, stets leicht bergan durch das stadtgewühl agadirs zum periphérique an den auslaufenden hängen zum hohen atlas. dort ein stück entlang und dann in die gigantischen nouvelles quartiers und weiter in das tal des azerag. eine schöne, ruhige seitenstraße in die ausläufer des hohen atlas. der asphalt ist etwas grob aber dennoch rollt es leicht mit dezenten, wechselnden steigungen bergan. in agadir hat es vormittags um die 20 grad, in die berge hinein steigt die temperatur stets schnell an. bei windstille ist es bald in richtung 30°, oberhalb 300 metern seehöhe dann auch gerne darüber. je nach windrichtung kann es sich aber auch kühler anfühlen.

http://fstatic1.rennrad-news.de/f/ou/a6/oua6t0747m97/large_CP120219-2270.jpg?0 (http://fotos.rennrad-news.de/p/242249)

http://fstatic1.rennrad-news.de/f/il/3e/il3eyrt5c2gn/large_CP120219-2271.jpg?0 (http://fotos.rennrad-news.de/p/242251)

irgendwann sind die poren offen und der schweiß fließt. der routinierte griff ins unterrohr zur auffüllung des flüssigkeitspegels geht jedoch ins leere. ja, ich sehe sie vor meinen augen auf der spüle in der küche stehen, die beiden mit bahia befüllten flaschen. don't panic, ich fahre die strecke nicht das erste mal und weiß, daß demnächst eine ortschaft kommen wird (in welcher meine letztjährige königsetappe in völliger dunkelheit und notbeleuchtung ein jähes ende in einem fetten schlagloch fand). gut, daß ich cartbonflaschenhalter als relativ sinnfrei betrachte. der aluhalter läßt sich leicht aufbiegen um den boden einer 1,5 ltr wasserflasche zu umfassen. nur ist das ding zu lang und zu schlapperig am oberen ende.
aufgemerkt!
hier spielt der klassisch geschulte rennradfahrer seine geballte kompetenz aus. und seien die pedale noch so klickerick, ein pedalriemen - auch bekannt als alfredo binda binder - sollte sich an jedem fahrrad befinden. sei es zum anbinden sich lösender radteile, zum abbinden verlustiger körperteile oder aber, wie in diesem anwendungsfall, zum fixieren der unhandlichen trinkflasche am unterrohr.

http://fstatic1.rennrad-news.de/f/uo/gu/uogunvvdbqfz/large_CP120219-2272.jpg?0 (http://fotos.rennrad-news.de/p/242253)

schließlich fällt die nebenstrecke wieder etwas in richtung der oued souss ebene um bei armskroud die N8 marrakech - agadir zu kreuzen. auf der anderen seite, nach überquerung der neuen autobahn, läuft es erstmal locker weiter mit einem blick in die souss ebene der erstmal keinen horizont auszumachen vermag. ein moderater wind bläst vom atlantik in die ebene, welche bei taroudannt ihren östlichen abschluß findet, hinein. gut zu händeln, gut zu fahren. das ungebremste brennen des zentralgestirns über den mittag ist nicht wahrnehmbar.
zur linken begleitet mich die silhouette des hohen atlas.

http://fstatic1.rennrad-news.de/f/q9/px/q9pxc8evydt3/large_CP120219-2274.jpg?0 (http://fotos.rennrad-news.de/p/242255)

die onep (organisation national d'eau potable - nat. org. für trinkwasser) betreibt einen beträchtlichen aufwand um das land mit trinkwasser und wasser für die landwirtschaft zu versorgen. der turm im bild ist ausnahmsweise kein etwas dick geratenes minarett, sonder gehört zu einer wasseraufbereitungsanlage.

http://fstatic1.rennrad-news.de/f/bc/cg/bccg3qecbhn9/large_CP120219-2273.jpg?0 (http://fotos.rennrad-news.de/p/242254)

später am südlichen rand der ebene wechselt meine richtung um mich in nähe des kleinen atlasgebirges in die provinzstadt Ouled Teima zu bringen.
gleich nach der brücke über den oued souss (oued = fluß/wasserlauf) geht es wieder grob in richtung atlantik.

http://fstatic1.rennrad-news.de/f/oi/wm/oiwmsvzwna7l/large_CP120219-2276.jpg?0 (http://fotos.rennrad-news.de/p/242256)

zu fast allen jahreszeiten zeigt der oued souss praktisch kein oberflächenwasser. dattelpalmen sind aber ein zuverlässiger indikator für wasser im untergrund. die verbliebenen pfeiler der alten brücke und die mal eben locker so dahin gewürfelten felsbrocken sind aber vitale zeugen von tageweisen urgewalten die sich ihren weg aus den bergen zum meer bahnen. ohne rücksicht auf verluste, weshalb ofmals anstelle von brücken nur fahrbahndämme in die landschaft betoniert sind. immer wieder sieht man die reste von vorgängerkonstuktionen. hier hält nichts ewig außer der achaik der natur.

mit dem schwenk in richtung ozean geht es auch in ein richtig schönes lüftchen hinein. zeit erstmal ein viertelstündchen im schatten zu verweilen ehe es weiter geht.

http://fstatic1.rennrad-news.de/f/b6/61/b661pcnlx922/large_CP120219-2277.jpg?0 (http://fotos.rennrad-news.de/p/242257)

schließlich geht es zu einer art einzelzeitfahren weiter. einzelzeitfahren ? das ist rasch erklärt. langschläfer wie ich müssen bei längeren runden gegen den raschen lauf der sonne eine beleuchtung mitnehmen oder nachmittags etwas strenger treten. für den fall der zu erwartenden eintretenden dunkelheit im bereich des speckgürtels um agadir war ich mit einem kleinen weißen diodenblinker (knog beetle - das weiße ding am oberlenker) und einer etwas größeren angeschraubten heckfunzel (noname aber longburn) an der sattelstütze augerüstet. im vorjahr war ich diese runde mehrmals gefahren, auf diesem stück in dieser richtung stets mit einem sanften fallwind aus den bergen im rücken. dieses jahr war aber der luftraum nicht nur über europa sondern auch über nordafrika ordentlich in bewegung (schnee in tunesien). was mir da auf dem weg zum (nach-)mittagsessen entgegenkommt ist eine gnadenlose brise. es geht gar nicht um irgendwelche zeiten oder geschwindigkeiten, es geht ums blanke vorankommen. vom großen blatt kann ich mich verabschieden und mich gut fühlen wenn ich auf der kleineren hälfte des ritzelpaketes bleibe. die ebene fällt ganz leicht in meine richtung. ich tue mir richtig schwer das begreifen und bleibe ein- zweimal fluchend stehen um mir den sand aus dem gebiß zu spülen und wieder aufzusitzen. nach alternativen zickzackrouten zu suchen ist bei der nichtmal handvoll asphaltstraßen in der ebene zwecklos, von schützenden waldstücken zu träumen dito.. also ab in den unterlenker zum gebet. allah akbar ....
schön ist, daß es mir, vermutlich dank ein paar hundert kilometern mit dem bahnrad auf der freien rolle, besser und vor allem länger und entspannter gelingt im unterlenker zu bleiben. eigentlich wollte ich den anatomic-lenker des cinelli schon länger gegen einen compact mit weniger drop austauschen. in der innigkeit der meditationen im wind lerne ich ihn allmählich zu lieben. gut vor einiger zeit habe ich den sattel auch nochmal ein gutes stück nach vorne gezogen, jetzt paßt die chose noch besser.

das ist schon manchmal erstaunlich: man mißt und probiert an den variablen geo-teilen eines rades herum, befindet es als optimal, und nach einigen tausend kilometern ändert man doch mal wieder was und es geht doch noch besser. okay, es sind immer viele kleine parameter welche eine summe ergeben, siehe auch die bahnradübungen.

nachem ich gefühlte stunden meditiere und die pickel im groben bauernasphalt zähle blicke ich wieder einmal nach vorne und erkenne am ende des asphaltes eine art fata morgana. oder ist es doch ein fahrzeug das ich einholen könnte ? ich senke mein haupt in demut und trete was das zeug hergibt. tatsächlich lassen sich nach einiger zeit die umrisse eines größeren fahrzeuges erkennen welches sich in meiner richtung bewegt, nicht zu schnell, nicht zu langsam. irgendwann erkenne ich dann einen radlader mit heckbagger, und nach einem zähen endsprint bin ich in seinem warmen hydrauliköl-diesel-mief. das knattern auf den ohren versiegt nur noch das sanfte heulen seines antriebes ist wahrnehmbar, windstille. endlich mal den rücken gerade machen, kaum noch treten, eher mal bremsen. so rolle ich ein paar kilometer mit konstanten 26 km/h auf dem tacho hinter ihm her und bin glücklich.
an einer kreuzung trennen sich unsere wege. mit einem gegenseitigen zuwinken verabschieden wir uns und ich schwenke in seitenwindfahrt die gelegentlich durch einzäumungen von plantagen gemildert wird. im agrarstädtchen ouled teima stoppe ich an einem imbiss in dem taxifahrer und gemüsekutscher ihre mittagstajine verdrücken. mit händen und füßen verständige ich mich mit dem kellner auf ein hähnchensandwich mit salat und ner cola. er, ein junger bursche und ein alter mit schiefer, durchgegerbter visage verziehen keine miene. und in der zeit des wartens und der mahlzeit beginne ich zu glauben, daß ihre steifen mienen aus dem versuch entspringen eine antwort darauf zu finden wie sie, wenn schon mal ein euro sich traut bei ihnen einzuschlagen, mit diesem am besten ein bombengeschäft machen könnten. salat und sandwich waren sehr lecker und cola (coca) schmeckt nur in marokko so gut. also schreite ich zum tresen um mit international-multilingualer handbewegung zu bezahlen trachte. nun waren beide erstmal wortlos und tauschten blicke aus. ich bedeutete mit den fingern der junge kassenwart möge seinen wunschbetrag mit dem stift in seiner hand auf dem zettel vor sich notieren. das ging scheinbar nicht so ohne weiteres und nach ein paar weiteren blicken zu seinem compagnion begann er erst leise, dann immer ein bischen lauter unter zunehmendem kopfnicken ein wort zu sprechen: quarante (40)
ich sah ihm ins gesicht und fragte: quarante ?
er schaute mich groß an und nickte sachte den kopf, quarante.
ich fixierte ihn und sprach auf klarem, deutlich vernehmbarem berber "ohoi !" (nein) und grinste ihn dazu fett an.
nun konnten die beiden ihre maske nicht länger halten, lachten zurück und begehrten die münzen in meiner hand zu sehen. ich quittierte das mit einem weiteren ohoi und suchte aus der hohlen hand zwei zehner münzen raus und legte sie auf den tresen, sprach dazu "vingt" (20). sie schauten mich an, sie schauten sich an, nickten, der junge vereinnahmte die 20 dirham. ich legte noch zwei als trinkgeld obenauf und wir verabschiedeten uns lachend per handschlag. à la prochaine ;-)

anständig gestärkt machte ich mich auf die verbliebenen rund 60 km nach agadir inklusive der abendlichen dust'n diesel runde durch den speckgürtel.
am ende zählte das gps 142 km und die beine waren trotz des windjammers einwandfrei.

http://www.bikemap.net/route/1428446

gruß
klaus

edit: beim einfügen der route sehe ich, daß ich ein paar dinge durcheinander gebracht habe was die streckenabschnitte anbelangt, aber sinngemäß ist der inhalt dennoch stimmig ;-)

sulka
28.02.2012, 00:37
so. tach 4 sollte etwas lockerer werden. so fleißig war ich diesen winter nicht, eigentlich eher verfressen, fett & faul.
also steure ich die N1 nach norden / richtung essaouira an. erstmal geht es am hang unterhalb der kasbah auf der vierspurigen moderat ansteigend raus. es rollt gut , der neue fahrbahnbelag gibt sogar einen tatsächlich befahrbaren randstreifen her. zur linken blinkt das meer hinter dem hafen. ein phantastisches panorama. durch anza rollt es wie sau, auch auf der vierspurigen bis aourir. danach steigt es leicht an, die ganze küste nordwärts ist ein stetes leichtes auf und ab. weitaus maßgeblicher als das profil ist wieder mal der wind. kein wunder aber wenn man stets in sichtweite des oceans fährt. der nächste ort, tagazhout, ist surfer & angler hochburg. hier mache ich einen stop beim gemüsehändler und sacke noch etwas zusatz proviant ein. brot & käse sind schon onboard. wer in marokko seine kalorien aus nuggelpackungen bezieht, dem ist nicht zu helfen. slowfood macht viel mehr freude & gibt es an jeder ecke erntefrisch. im grunde kann man einfach losfahren.

hinter tagazhout mache ich erstmal pause an einer großen ruine in bester lage die ich schon länger mal etwas näher betrachten wollte.

http://fstatic1.rennrad-news.de/f/ib/l0/ibl0ax6x7ul5/large_CP120220-2278.jpg?0 (http://fotos.rennrad-news.de/p/242401)

http://fstatic1.rennrad-news.de/f/zl/7y/zl7yrn58ictb/large_CP120220-2280.jpg?0 (http://fotos.rennrad-news.de/p/242402)

http://fstatic1.rennrad-news.de/f/ij/gv/ijgvj6m9rv9o/large_CP120220-2282.jpg?0 (http://fotos.rennrad-news.de/p/242403)

bestens gestärkt geht es weiter. jetzt im winter ist wenig verkehr auf der 2-spurigen N1, im sommer ist hier die hölle los wenn alle mit ihren karren an die schönen sandstrände zum baden wollen. auf dem längeren, etwas drögen weil sehr grob asphaltierten, ebenen stück läßt sich kein camion greifen um die sache etwas kurzweiliger zu gestalten. also durchtreten. nach dem plage am km 31 geht es um die ecke und der wind kommt hier heute etwas stärker ins spiel, zunehmend. einige km vor cap ghir, meinem grob angestrebten wendepunkt, drehe ich an einer lauschigen stelle links zur küste bei. meine wackelpuddings und die gestrige souss-segelrunde zollen tribut. aus dieser strecke eine runde zu formen geht nicht unter 150 km. da mache ich heute definitiv nicht mit.
so schwer fällt mir die leistungsverweigerung nicht & schließlich hab ich noch leckeren proviant in den taschen.

http://fstatic1.rennrad-news.de/f/0n/ir/0niruoov5n05/large_CP120220-2289.jpg?0 (http://fotos.rennrad-news.de/p/242405)

http://fstatic1.rennrad-news.de/f/w7/p0/w7p06qsx8371/large_CP120220-2283.jpg?0 (http://fotos.rennrad-news.de/p/242404)

es läßt sich aushalten. weniger befriedigend ist der blick auf den tacho. 100 km sollten es heute schon sein damit mein angestrebter tagesschnitt erhalten bleibt. also schwinge ich mich wieder nordwärts, cap ghir nehme ich jetzt noch mit.
die letzten ca. 2 km davor geht es nach rechts ums eck und in eine steigung im flugsand rauf zum leuchtturm am cap. entre deux mer nennen die einheimischen ihre ecke. könnte auch entre le vent heißen. das stück bis rauf ist ein dreckxstück, bislang hab ich mich jedesmal da übelst hochdrücken müssen. warum sollte es heute anders sein. the good things never change ;-)

bilder aus vorjahren:

http://fstatic1.rennrad-news.de/f/l5/5d/l55dpdo3z894/large_060609S26Akb.jpg?0 (http://fotos.rennrad-news.de/p/242412)

http://fstatic1.rennrad-news.de/f/9k/q3/9kq33elgsgra/large_060609S27Akb.jpg?0 (http://fotos.rennrad-news.de/p/242413)

http://fstatic1.rennrad-news.de/img/photos/3/0/1/5/3/_/large/CP20110113-132.jpg?0 (http://fotos.rennrad-news.de/p/178760)

endlich oben am cap fahre ich direkt um das leuchtturmareal und genieße dahinter im windschatten den rundumblick aufs meer. zum photographieren komme ich leider nicht. es fährt nicht jeden tag einer mit dem rennrad in den kleinen ort und bleibt auch noch stehen. alleine bin ich nicht lange. also habe ich meine unterhaltung. allerdings nicht sehr ausgiebig, denn ich bin ziemlich ausgepowert und möchte eigentlich meine ruhe um mich für den rückweg zu sammeln.
erwartungsgemäß rollt es den leuchtturmbuckel runter mit rückenwind phantastisch. aber bald kommt der wind aus der anderen richtung und ich drehe nochmals bei um die verkürzte wendepause zu ergänzen. langsam fange ich an alles zu spüren ...

http://fstatic1.rennrad-news.de/f/5w/kb/5wkb6ckxtt7f/large_CP120220-2292.jpg?0 (http://fotos.rennrad-news.de/p/242406)

http://fstatic1.rennrad-news.de/f/ms/35/ms35d423w7sk/large_CP120220-2293.jpg?0 (http://fotos.rennrad-news.de/p/242407)

der wind macht natürlich keine pause also segle ich südwärts weiter und sinniere darüber wie und wann ich meine diesjährige königsetappe setzen könnte. so wie ich heute fahre brauche ich gar keine königsetappe, da reicht mir die kleine eselsrunde. es sei denn, ich würde morgen nen lauen rein hauen in der hoffnung tags drauf in einen bewegungsnotstand zu verfallen. der gedanke bestärkt mich und zusehends fällt es mir leichter meinen geschundenen leib in richtung basis zu bewegen. noch nen kaua nosnos (milchkaffee) in aourir und die ansteigende kurve zum ort raus auf die 4-spurige geht fast von alleine. oben entlang der neuen palastresidenzen rollt es von alleine, ich bin in meinem stampfmodus angekommen, dito durch anza, durch die zwei kreisel dort und dann um den kasbah-berg mit dem super ausblick im späten licht herum und mit 60 sachen runter in die stadt rein und zwischen den autos durchschlängelnd das tempo so lange halten wie es irgendwie geht. dann irgendwo links ins quartier und den letzten kilometer auf dem zahnfleisch nach hause.

http://www.bikemap.net/route/1428456

hach, morgen mach ich nix.

sulka
28.02.2012, 01:11
tag 5 - null

http://fstatic1.rennrad-news.de/f/ez/wt/ezwt2mrmj9w7/large_CP120221-2301.jpg?0 (http://fotos.rennrad-news.de/p/242411)

nix, also nix. essen schlafen essen schlafen. irgendwann mal zum barbier den kopf und den bart scheren lassen. essen schlafen essen schlafen.
auf der dachterrasse hocken, kaffee, rauchen und von der sonne wärmen lassen.

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die teamkappe war im übrigen mein steter begleiter wenn ich nicht grad die plastikkappe auf hatte. nicht wegen der schicken riongel, das natürlich eh, aber weil es mit dem ständigen, oftmals wechselnden wind nicht wirklich warm war. morgens war es recht frisch und gegen abend auf dem nachhauseweg von den runden brauchte es zuverlässig die windjacke.

damit auch noch etwas technix.

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dabei hatte ich wieder meine cicinella. 2010er cinelli xperience aus columbus zonal alu mit einer columbus tusk alu-carbon-gabel. sram rival 53/39 auf 12-26. den maroc-schlaglochbewährten fulcrum 5 lrs. bereifung wieder bewährtes, conti gp 4 season in 25er breite mit race 28 schläuchen mit 6,5 bar befüllt. ca. 8,5 kilo mit look quartz pedalen.
ich kann es vorweg nehmen: technische probleme gab es nicht die geringsten. die straßen sind nicht so schlimm wie man befürchten könnte, natürlich machen die 25er reifen den häufigen groben asphalt etwas erträglicher. die stabilen flanken nehmen es auch nicht tragisch wenn mal der asphalt zu ende geht und man sie doch mal mit scharfkantigen steinen traktiert. rollen tun die schlappen eh gut. ein super pneu, ich sags gerne immer wieder. außer kette mal sauber machen und 105ern nix am rad gemacht.

trotzdem werde ich das nächste mal vielleicht den crosser mitnehmen.
zum einen habe ich etwas mehr auf die beschaffenheit der pisten gesehen. es gibt sehr viele die nicht unbedingt durchschlagträchtig versteinert sind.
zum anderen gibt es einfach relativ wenige asphaltstraßen sodaß rennradrunden doch begrenzt sind. für die schönen strecken im antiatlas muß man immer erst durch die oued souss ebene, ein langer, flacher an und abfahrtsweg mit zuverlässig wind ehe es richtig zur sache gehen kann. die strecken in den hohen atlas ergeben stets einen paß, da hat man schnell auf 150 km 3000 hm beinander. die abfahrten sind natürlich vulminant ;-)
mit dem cx gibt es viele kleine straßen, pisten, wege. man kommt in noch viel mehr entlegene gegenden, eine runde bekommt man eher zustande. vielleicht 'nen satz straßenreifen einpacken und ein anderes ritzelpaket.

soweit.
klaus

Duafüxin
28.02.2012, 13:52
Wieder genial geschrieben. Merci beaucoup :D

Ich wollt mich ja schon beschweren, aber das vorvorletzte Bild hat Dich gerettet:daumen:

a.nienie
28.02.2012, 15:38
man wird fast neidisch. baer die 36grad sind mir dann doch too much. super geschrieben.

klaus
28.02.2012, 15:50
Klaus.. du hast mir heute Morgen meinen Tag gerettet :daumen:

kap0ttnik
28.02.2012, 17:38
nein, ich meine es ernst. das macht tatsächlich spaß, zumal wenn man von vollbesetzten dolmuschtaxen angehupt wird und von dessen insassen angefeuert wird. da muß man einfach bella figura abgeben, die nach oben gestreckten daumen aus den fenstern der gemüselaster belohnen es ;-)


Ja, das ist immer wieder faszinierend, wenn man im Ausland Rennrad fährt. Das kommt mir dann immer so vor, als wäre ich auf einem anderen Planeten gelandet.

sulka
28.02.2012, 20:45
freut mich wenn ich euch etwas von meinem vergnügen vermitteln kann.
36°C ist nix für kaltduscher ;-))

tag 6 habe ich mir also für die königsetappe ausgewählt. den wecker hätte ich mir fast sparen können, denn wie geplant drängte der körper recht bald nach bewegung.
am abend hatte ich mal die ixon iq speed an den lenker montiert und den akku zum nachladen ans netz gehängt. meine auf bikemap ausgeguggelte runde lag bei ca. 175 km. es würde also etwas dauern bis ich zurück kommen würde. aus erfahrung weiß ich, daß das fahren im dunklen marokko mit keiner oder schlechter beleuchtung sehr unangenehm werden kann. also lieber mal das dicke akkupack mitgeschleppt. in der nacht waren wolken mit ziemlichem tempo am stern des südens verbeigerauscht und am morgen war es teilweise diesig und recht frisch. arm und beinlinge, langärmelige windweste und der muff unterm helm sind nicht übertrieben als ich kurz nach 9 morgens aufbreche. beim ersten stop nach ca. 50 km überwinde ich mich gewissermaßen das alles abzulegen und mit herrn binda unterm sattel zu verstauen.

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wie gesagt, die routen schaue ich mir aus bikemap raus, unterwegs habe ich keine karte dabei und dieses jahr habe ich mir auch keine zettelchen mit ortsnamen, welche am ende nie mit der ausschilderung harmonieren, geschrieben. mit der zeit und den touren prägen sich die paar kreuzungen und landstraßen ein. die grobe orientierung mittels hotizont und sonnenstand funktioniert ganz gut. will das zentralgestirn nicht so recht in die richtung geraten, heißt es umdrehen oder man hat schnell mal einen umweg von 50 km.
so ergeht es mir dieses mal auch in biougra wo ich mir eigentlich sehr sicher war. zurück im ort ist meine route dann erstmal eine straße die so gar nicht nach landstraße aussieht. aber das sollte sich ändern. nach wenigen km sollten die plantagen enden, der verkehr hört fast abrupt auf und die landschaft weitet sich. ich bin in der vollen pracht des südens angekommen.

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irgendwo, nach 65 bis 75 km sollten rechts mal drei markante hügel in der ebene stehen und nach ein paar häusern die straße im rechten winkel in die berge führen. den ersten anzweig muß ich nach ein paar km und dem schwenk der straße in paralellage zu den bergen widerrufen und zurück radeln. aber dann bei km 75 ...

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sidi bibi heißt das kleine nest in dem zwischen bäcker und metzger eine unscheinbare, unausgeschilderte straße richtung berge abzweigt. ahnend was mich erwartet setze ich mich einen kilometer hinter dem ort angesichts des aufstrebenden kleinen atlasgebirges noch mal zum stullenverdrücken in den schatten.

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wie ich so auf meinem fladenbrot kauend und olivenkerne ausspuckend da sitze und dem mann mit seinem lastenesel nachschaue, wandern meine augen über die ruhig da liegenden berge. zwei dinge kommen mir in des sinn:
"billy the mountain" aus zappas 'just another band from L.A.' album. (billy was a mountain with his wife ethel a tree growing out of his shoulder .... ethel we're going on vacation ...).
das andere war "da liegen sie seit jahrtausenden, schauen zum ozean und kratzen sich einen dreck wer und wieviele sich an ihnen abmühen, die knochen schinden. und dann komme ich daher und bilde mir ein es wissen zu wollen ... ;-)
egal, meine gebikemapte vorahnung beginnt wahr zu werden. noch etwas geplänkel in das erste tal. leicht aufsteigend hinein und dann kommt die master-packung der 470 hm auf 10 km. erst lau, dann steil und steil, dann steil und dann isses erstmal gut. die plastikkappe baumelt schnell am ergo und das trikot ist offen bis unten. der dunst hat sich weiter in die berge verzogen und in dem windstillen anstieg ist es gut warm. weiter oben in den kehren schaue ich zurück auf meinen weg und erkenne noch ganz klein die drei hügel bei sidi bibi.

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schleißlich erreiche ich, teilweise schiebend, den ersten scheitel. 650 m über see.

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in der senke dahinter haben hirten ihr lager aufgeschlagen.

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für mich geht es wellig mit fallender tendenz weiter. erstmal durch täler, also windgeschützt und warm. ab dem abzweig in die strecke von tiznit nach ait baha verläuft die straße dann auf einer art plateau auf dem der wind mit wechselnden richtungen pfeift. schließlich geht es in mein ziel ait baha wo ich mich mit wasser und etwas brennstoff eindecke. eigentlich geht es dann leicht bergab, der wind bringt aber, daß ich es anders empfinde, und er wird kälter.

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pause an einem wasserreservoire ehe es durch schnelle kurven runter nach imi m'kum und weiter nach biougra geht. auf diesem stück ist mir der wind heute deutlich freundlicher gestimmt. motivator ist der mir in aussischt gestellte kaua nosnos in biougra.
wie es das schicksal so will fährt mir aber im ort ein 12 tonner vor die nase. einer von diesen multiple purpose 3rd world mitsubishis mit den hohen bordwänden und dem kernigen turbosound. ich versuche mich dran zu klemmen. packe ich's bleibe ich dran, packe ich's nicht trinke ich nen kaffee. die entscheidende phase ist immer die beschleunigung des windschttenspenders. je nach wert erkennt man in etwa die zuladung und die zu erwartende höchstgeschwindigkeit. ich muß mich bei den zwischensprints innerorts gut reinhängen damit ich halten kann. der fahrer gibt zu jedem schaltvorgang einen kernigen zwischengasstoß sodaß ich bestens abschätzen kann wie es weiter geht. voll beladen ist er nicht aber auch nicht ganz leer. mittlerweile hat er mich durch den ganzen ort gezerrt. nach dem stop bei den gendarmen am ortsende legt er auf. knackig, sonor mit rußwolke. der sack nimmt mir alles ab, ganz schnell bin ich auf dem kleinsten ritzel im wiegetritt. die tretpausen im schatten werden kurz und nach einer weile merke ich, daß ich beim nachführen bei 53-12 trete wie ein karnickel. lange pausen gibt er mir keine, schon bei 2 meter abstand von der gummischürze bekomme ich die windkante im rücken zu spüren. mit so einer geringen toleranz bin ich noch keinem nach. kleine kurskorrekturen des lkws haben zur folge, daß ich seine ganze breite brauche um spur zu halten. irgendwann wird mir das zu haarig, zumal ich im ort bereits gemerkt habe, daß er ziemlich gut verzögern kann. ich lasse mich in den wind fallen und beim langen abreißen schaue ich erstmals auf den tacho: 77 km/h. das gps wird später 80 km/h indizieren. das sind 20 sachen zuviel. bei 60 und schwächeren verzögerungswerten kann man das ganz gut kontrollieren, auch wenns nicht zum hand vom lenker nehmen reicht.
immerhin, das war ein verdammt guter adrenalinstoß und ich bereue den verzicht auf den kaffee nicht im geringsten. in den abend hinein fahre ich die restlichen ca. 25 km am stück zügig durch bis ait melloul im speckgürtel von agadir.
hier hole ich den kaffee nach, ziehe die arm- und beinlinge und die windjacke über, schalte meinen led-fluter an und mache den rücksturz zur basis auf der 4-spurigen bei realtiver dunkelheit.
absolut gut wenn spürt, daß die kreiselsprints auch nach 165 km noch richtig locker gehen.
das war 'ne richtig gute runde. mein kalkül ist aufgegangen in sachen bewegungsdrang und erholung.
ein wehmutstropfen bleibt: ich habe gerademal eben am kleinen atlas gekratzt. da gibt es noch so schöne strecken in richtung tafraout und weiter in den süden zu den ausläufern der sahara. irgendwann werde ich mit kleinem gepäckträger zu mehrtagesfahrten antreten. vielleicht one way und mit dem bus zurück. inshaallah.

http://www.bikemap.net/route/1428489

jetzt aber erstmal nach hause unter die heiße dusche und dann bitte die tajine mit dem dicken bauernhühnchen und getrockneten pflaumen, die hab ich mir für heute gewünscht.

sulka
28.02.2012, 22:42
tag 7
in der nacht gab es wieder einiges an wind und am himmel treiben noch ein paar wolken. heute will ich noch was kleines fahren, ein bischen berg treten. meinen schmach vom ersten tag wettmachen, am hausberg antreten.
im letzten jahr habe ich die runde schon mal gefahren, ich erinnere mich an viele herrlich rollende abschnitte. wenngleich es klar ist, daß ich erstmal rauf muß.
nach reichlich nachtschlaf und einem guten frühstück breche ich auf um über mittag mal schnell die 45er runde abzufahren. es ist windig und nicht krachend heiß als ich mich auf den weg mache um agadir in nordöstlicher richtung in die abgrenzenden berge zu verlassen. rasch bin ich ein stück durch das quartier illigh den berg rauf um ein stück ins tal zum eigentlichen aufstieg zu fahren. das tal will so gar nicht rollen, der wind bläst mir entgegen. entsprechend eingestimmt fahre ich in den ersten aufstieg. immerhin geht es doch schon deutlich besser hoch als bei meinem neulichen startdesaster dieser tage. ebenso rasch und zuverlässig steigt die temperatur auch wieder auf rund 35°. heute nehme ich rechtzeitig den helm vom kopf bevor jener zu glühen beginnt, mache mir legere marscherleichterung und trete wohl gemut und geduldig. irgendwann bin ich auch an dem punkt an dem ich letztes mal die flinte ins gebüsch geworfen habe. hurra ich fahre noch !

http://fstatic1.rennrad-news.de/f/zy/87/zy876axaq0rk/large_CP120223-2323.jpg?0 (http://fotos.rennrad-news.de/p/242495)

das sind dann noch ein paar kurven, dann kommen oben ein paar häuser und dann geht es die superabfahrt nach alma runter. so ungefähr ...

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und noch ein paar kurven

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und noch ein paar kurven. doch ja, man könnte sagen es ist warm. gleich nach der kurve wird der lkw den ersten gang einlegen, etwa da wo ich abgestiegen bin ...

http://fstatic1.rennrad-news.de/f/l4/wi/l4wifc0yi9yg/large_CP120223-2327.jpg?0 (http://fotos.rennrad-news.de/p/242498)

und kurz später kommt die siedlung durch die es in einer rechtskurve geht. nur, so stelle ich fest, bin ich da noch lange nicht oben. es geht zäh, ich beginne beim in den asphalt starren über kompaktkurbeln und 28er ritzel zu sinnieren. kann doch alles gar nicht sein, letztes jahr bin ich doch auch drüber gekommen und sogar noch weiter. meine erinnerung erkennt landmarken wieder, ja, da muß ich auch noch rum. und irgendwann, ich glaube es schon gar nicht mehr, kommt diese linkskurve wo es dann pötzlich doch noch eben wird für eine weile. jaaa !
in der ecke der ecke lege ich mich erstmal in die ecke im schatten, genieße den blick über das tal das ich in der folgenden abfahrt erreichen werde, in die berge des hohen atlas.

http://fstatic1.rennrad-news.de/f/df/3a/df3a0rswtuk4/large_CP120223-2328.jpg?0 (http://fotos.rennrad-news.de/p/242499)

ich war zwar noch nicht in den alpen zum radfahren, die alpen sehen ja auch böse aus. die berge hier sind behäbig, irgendwie mild liegen sie schier endlos herum. aber sie sind fett, gewaltig und sie lutschen dir die beine aus ...
genug geträumt, ich rolle los. ein stück auf dem kamm entlang, dann stoppe ich und ziehe mir die windjacke über. der wind, wo er reinblasen kann, ist nicht wirklich warm. er kommt heute mit nachdruck vom atlantik rein.
rund 7 km geht es eine schnelle abfahrt runter. eine harte kehre bei der man aus an die 60 fast in den stillstand abbremsen muß, ein paar kleinere haken und ein paar stellen an denen es nur noch ein paar cm restasphalt gibt, dann noch ein linkshaken und dann das tal vor wo es tierisch spaß macht im großen gang mit zu powern.
in alma, einem kleinen ort ist die kreuzung zur strecke von aourir nach immouzzer. ein stück will ich eigentlich noch richtung immouzzer um dann umzukehren. aber bereits das letzte stück nach alma rein hatte ich viel schneller in erinnerung, heute muß ich richtig treten. ich drehe also nach ein paar hundert metern bereits um das tal nach aourir am atlantik vor zu genießen. ein schnelles tal. es war einmal ...
heute ist das anders. schon beim kehrt machen merke ich, daß das eine gute entscheidung ist. auf der stelle weht mir der wind das tal rauf entgegen, ich muß erst mal runter treten. eine schöne passage mit schroffen wänden, schönen, teilweisen uneinsehbaren haken, windgeschützt rollt wie sucht, die bremsen werden gebraucht. aber dann stehe ich voll im wind und muß das restliche tal runter treten. ich bin einigermaßen erschüttert ;-)
in aourir dann wieder den kaffee "chez mustafa" und zurück über die bekannte vierspurige strecke nach agadir. es ist ordentlich seitenwind aber es rollt.
45 km bekomme ich auf den tacho, womit ich auch zufrieden bin, damit bin ich bei knapp 700 km an 7 fahrtagen, das war in etwa meine absicht. die kleine hausrunde war zwar viel bitterer als mich meine erinnerung erwarten ließ. die auswertung ergibt 640 hm für die 44,8 km, das ist ne ganz gute übung gewesen und hat ordentlich kraft gekostet.

http://www.bikemap.net/route/1428498

in der nacht wird es richtig stürmen. am letzten tag mache ich noch ein paar wege in der stadt mit dem rad. einmal eine innerstädtische, ebene 4-spurige südwärts um einen freund auf einen kaffee zu besuchen. mit 39-26. mehr will nicht. wir haben scirocco, den heißen wüstenwind aus der sahara mit ordentlich sand in den backen. gut, daß ich heute keine runde mehr drehe, wobei mich diese naturgewalten schon sehr beeindrucken.

am nachmittag schiebe ich das zerlegen des rades immer wieder hinaus. aber schließlich muß es doch wieder in seinen karton, denn um 4 uhr in der früh geht es mit dem auto nach marrakech zum flughafen. ausgestopft wird der karton mit den besorgungen meiner mädels vom souk. der hinterbau wird mit pfefferminze und absinth gepolstert, die gabel mit orangen gesichert. am ende wird die schachtel 33,5 kilo auf die waage am schalter werfen ;-)) früh um sechs zeigt das thermometer in einem vorort von marrakech noch 3°C. doch als am flughefen die sonne herauskommt merkt man, es wird ein sehr heißer tag werden. eindrucksvoll diese eklatanten schwankungen.
ich bekomme angesichts der bleich-/rotgesichter ausspukenden busse und taxis allmählich den blues, muß mich wohl oder übel dem schicksal fügen und warte sehnlichst darauf es endlich hinter mich zu bringen.
stunden später sitze ich selbst wieder hinter dem steuer, im land ohne präsidenten. irgendwie habe ich das alles nicht auf dem plan, ich verfahre mich auf der vorbildlich beschilderten bundesautobahn trotz eingeschaltetem navi prompt zweimal. am liebsten würde ich rechts ranfahren und mich unter den nächsten arghanibaum legen, dornen hin oder her ...

gruß
klaus

a.nienie
01.03.2012, 10:53
die landschaft ist karg, aber viel besser wie auf dem mond.
habe ich gerne gelesen :daumen: